Mennonitenfriedhof  ab 1873

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Hist. Grabplatten ab1678


www.historischer-mennonitenfriedhof.de

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van Dieck

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1681

de Voss

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Goverts

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de Vlieger

30

1832

Kramer

31

1817

Hoeckstra, Vlaar

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1720

Roosen Coords

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1681

Sievers

34

1678

Pender, Kock

35

1829

v/d Smissen

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1846

v/d Smissen

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1862

Beets

38

1839

v/d Smissen

39

1869

Schots

40

1878

Goverts

41

19

Münster

1811

18

Tiessen

1855

17

Berens

1696

16

de Jager

1749

15

Roosen Sohn

1823

14

Roosen

1840

13

Roosen Stelen

1678

12

v/d Smissen

1730

11

de Voss

1757

10

Ney

1835

9

Koopman

1796

8

Willink, Elking

1747

7

Willink

1809

6

Becker

1761

5

Cremer

1854

4

de Voss

1823

3

Münster

1753

2

Rahusen

1761

1

Linnich

1757

Der Historische Mennonitenfriedhof in Hamburg

Kompakte Version

macht gleich deutlich, dass eine Reformationsfeier nicht ohne ein Gedenken an die Täufergeschichte möglich sein sollte. Sie zieht einen geschichtlichen Rahmen von den frühen Christen, für die Nächstenliebe und ein Leben in Frieden zentral standen über die Entwicklung zur Staatskirche hin zu den Einbettungen in Staatslehre, Macht und Gehorsam. Mit anderen Worten, eigentlich könnte alles ganz einfach sein, solange der Glaube und seine Inhalte Privatsache sind. Aber nein, allein das Wissen um Bürger, die nicht dem damaligen Mainstream folgten, war für die Obrigkeiten eine Bedrohung.  Mehr noch, der Wille nicht an kriegerischen Aktionen teilzunehmen, erschien den Obrigkeiten wie ein Verrat an der Gesellschaft, ja an den unmittelbaren Nachbarn. Das konnte man nicht dulden. Die radikale Wehrlosigkeit führte die Täufer ins Martyrium, der extremsten Gewalterfahrung.

Mit den weiteren Podiumsgästen Prof. Dr. Christoph Seibert von der Universität Hamburg, an der er Systematische Theologie mit Schwerpunkt Ethik lehrt und Pastor Peter Jörgensen, der Beauftragter am Sitz der Bundesregierung für die Vereinigung der Ev. Freikirchen ist, wurde überlegt, welche Impulse der Täufer bis heute von Bedeutung sind. Zum Erbe gehört sicherlich, dass eine gesellschaft­liche Verantwortung entstehen konnte, dass bei vielen ein optimistisches Menschenbild verwurzelt ist. Aber die Weltanschauungsgemeinschaften sind sehr verschieden. Es wäre ein politischer Prozess nötig, der Grenzen überwindende Gesetze formt. Denn, wenn etwas Macht hat, dann ist es doch die Liebe.

Die Schutzverantwortung muss nicht mit einem militärischen Einsatz eingelöst werden. In Libyen ist das Scheitern deutlich zu sehen. Man kann Menschen auf vielfältige Weise schützen. Sie z.B. aus der Gefahrensituation herausbringen. Wenn wir Strukturen von innen überwinden wollen, gibt es gar keine Alternative zur Gewaltfreiheit. Um Gesetz und Ordnung durchzusetzen, hat der Staat die polizeilichen Mittel und Möglichkeiten Stärke zu zeigen.


Ausführliche Version

Die Überschrift des Abends ist für Strübind durch dies harmlose und ein Widerspruch in sich, als ob Reformation etwas mit Gewaltfreiheit zu tun gehabt hätte. Gerade das 16. und 17. Jahrhundert waren, wie kaum eine andere Epoche, durch extremes Blutvergießen aufgrund besonders schwer­wiegender Religionskonflikte bekannt. Die Reformation hatte zur Bildung unter­schied­licher Religions­gemeinschaften geführt, die sich gegenseitig bekämpften, aber auch zu dem Fakt, dass alle zusammen gegen die Täufer zu Felde zogen. Das Täufertum wurde von katholischen und protes­tantischen Obrigkeiten verfolgt und marginalisiert. Das 500-jährige Reformationsgedenken 2017 ist ihres Erachtens, so Strübind, nicht ohne diese Gewalterfahrungen und ohne diese Schattenseite zu feiern. Nur in Schlagworten möchte sie die Konzepte der frühchristlichen Pazifisten erwähnen, für die der Christ ein Mensch ist, der Frieden schafft und der Frieden sucht. Bei Augustinus (354-430) in seinem Gottesstaat werden dann schon Kriterien für einen gerechten Krieg aufgestellt. Im Mittelalter werden weitere Konzessionen zu Krieg und Kirche entwickelt. Schon im 11. Jahrhundert wird der Krieg zur Standespflicht! Unter dem Reformpapsttum wird der Krieg zum Schutz der Kirche und besonders folgenreich zur Heidenabwehr in den Kreuzzügen (1096-1444) eingeführt. Thomas von Aquin (~1225-1274) interpretiert den Krieg als Fürsorge für den Nächsten. Dies ist schließlich ein Mandat für christliche Obrigkeiten. Strübind sieht die Reformation nicht ab 1517, sondern für sie gehören die Entwicklungen, die zur Reformation führten, unbedingt dazu. So wie Erasmus von Rotterdam (~1466-1536), der Reformhumanist, der bereits 1517 eine Antikriegsschrift vorlegt. Er möchte eine Friedensgesellschaft und bezeichnet den Krieg als Verrat an Christus. Martin Luther (1483-1546) hat in seinem großen Schaffenswerk keine direkte Abhandlung über den Krieg geschrieben, sehr wohl kann man in seiner Schrift über die Obrigkeit und seiner „Zwei-Reiche-Lehre“ lesen, dass er der Obrigkeit die Schwertgewalt zugesteht. Luther ist sehr stark von der Obrigkeit geprägt, die das Böse hindern und das Gute fördern soll, schließlich wurde sie von Gott eingesetzt, um die „blutige Bestie an die Kette zu legen“. Ulrich Zwingli (1484-1531) war vom Humanismus geprägt und hat sich in der Schweiz gegen den Söldnerdienst ausgesprochen, stirbt aber im zweiten Kappeler Krieg als Kriegs­teil­nehmer. Er hat damit eine Wandlung vom Pazifisten zum Aktivisten vollzogen, weil er zu dem Schluss kommt, dass es doch einen gerechten Krieg gibt, nämlich den zum Schutz des Evangeliums. In Schleitheim formulieren die Täufer ein erstes Be­kenntnis, das Bekenntnis zur Verweigerung des Wehrdienstes und die Weigerung ein öffentliches Amt anzunehmen. Damit entsteht eine unüberbrückbare Kluft zur Obrigkeit. Denn indem man keine Waffen in die Hand nahm, wollte man die „eigene“ Gesellschaft nicht schützen. Indem man keine Eide schwor, stellte man sich außerhalb der Gesellschaft auf. Es führte zu einer Isolation. Es führte zu Verfolgung und Martyrium, wie im Märtyrerspiegel von 1660 auf mehr als 1000 Seiten ein­drücklich beschrieben. Damit beendet Andrea Strübind ihre Einleitung.


Wie kann man die Impulse, die die Täufer geben, in eine Staatslehre umsetzen? Diese Frage stellt Prof. Dr. Christoph Seibert zu Beginn der Podiumsdiskussion in den Raum.  Er lehrt Systematische Theologie mit Schwerpunkt Ethik an der Universität Hamburg. Für ihn muss der Staat Mittel haben, sein Recht durchzusetzen. Enns: „Mit den Täufern kann man also keinen Staat machen“, so der häufig geäußerte Vorwurf. Das reformatorische Täufertum, laut Strübind, war in seiner Wehr­losig­keit radikal und damit in den Augen der Obrigkeit unge­horsam. Der Impuls dieser Kontrastge­meinden hat zur Mündigkeit beigetragen, dass so etwas wie eine gesellschaftliche Verantwortung entstehen konnte. Das ist sicherlich ein Erbe des Täufertums.

Dass eine Obrigkeit Gewalt ausübt zum Schutz der Guten, hat auch viel mit dem christlichen Menschen­bild im Mittelalter und bei Luther zu tun. Es herrscht die Vorstellung, dass die Welt voller Sünder ist, wir würden übereinander herfallen. So ist doch leider unsere Erfahrung. Wie sieht unsere Welt denn aus? Damit überhaupt eine Friedensordnung möglich ist, muss die Obrigkeit Gewalt ausüben. Diese staatstheoretische Position ist verknüpft mit einem zutiefst pessimistischen Menschenbild. Seibert führt weiter an, dass das Gewaltmonopol des Souveräns, gekoppelt an Verträge, einen äußeren Rechtsrahmen setzt, um die ungezähmte Kraft der Freiheit einigermaßen zu koordinieren. Strübind fügt das Beispiel hinzu, dass Luther im Bauernkrieg dafür plädiert, „alle aufständigen Bauern wie Hunde zu erschlagen“. Sie fragt sich, wie ein zutiefst christlicher Mensch wie Luther eine derartige Äußerung machen kann. Aber für Luther zweifeln die Bauern die Obrigkeit an, damit die Weltordnung und wenn es keine Weltordnung gibt, dann kann das Evangelium nicht laufen.

Sebastian Castellio (1515-1563), galt als einer der gebildetsten Männer seiner Zeit und Protestant, hingegen formulierte 1554 nach der Hinrichtung von Michael Servet „Einen Menschen töten, heißt nicht, eine Lehre zu verteidigen, sondern einen Menschen zu töten“, denn schließlich habe Christus keine absolute Wahrheit gelehrt, sondern die Liebe. Gewalt gegen Menschen ist, egal wie, nicht zu rechtfertigen. Aussagen in dieser Radikalität können eine Ausstrahlung in die Gesellschaft hinein gehabt haben. Was folgt nun daraus, so Enns, wir haben auf der einen Seite die rechtserhaltende Gewalt und auf der anderen die Bergpredigt, zu der schon Helmut Schmidt 1981 sagte, dass man mit ihr nicht regieren kann. Das ist eine feine Idee, aber nicht zu machen? Seibert stimmt dem zu, es ist nicht zu rechtfertigen einen Menschen zu töten, möchte aber differenzieren nach moralischen, theologischen, aber auch rechtlichen und ethischen Gründen, die allerdings von Weltanschauungs­gemeinschaft zu Weltanschauungsgemeinschaft verschieden sind. Die Kunst wäre es nun, einen politischen Prozess zu befördern, der die Gegensätze in Gesetze formt. Das entspräche seinem Demokratie-Verständnis. Das Christentum ist plural aufgestellt. Führt das nicht dazu, so Enns, dass der Dualismus in die Person verlagert wird, jetzt spreche ich mal als Christ, jetzt als Politiker, jetzt als Professor, jetzt spreche ich mal als Bürger? Das sei nun überspitzt, auch nicht ganz fair, aber damit möchte er sich an Pastor Peter Jörgensen wenden, der in einer kleinen profilierten Baptisten­kirche in Berlin Wedding predigt und Beauftragter am Sitz der Bundesregierung für die Vereinigung der Ev. Freikirchen ist: „Wenn wir den Staat als monolithischen Block sehen, hört es sich sinnvoll an, aber wir sind in einer Demokratie. Wir haben uns nicht um Wahrheiten, sondern um Mehrheiten zu kümmern. Wir müssen sehen, dass wir mit unseren Themen so relevant sind, damit sich andere davon locken lassen und dann politische Wirklichkeiten entstehen.“ Laut Strübind ist gewaltloser Widerstand nur in demokratischen Umgebungen möglich, wie im Britisch sozialisierten Indien mit Gandhi oder Martin Luther King in den Vereinigten Staaten. Was ist mit den Täufer, sie haben gewaltlos gelebt, was ist mit ihnen passiert? Sie sind zu Tausenden als Märtyrer für ihre Haltung gestorben. Das auch nicht nur im Reformations­zeitalter sondern auch später. Das gilt ebenso für die Quäker und andere, die in den Gefängnissen vermodert sind. In repressiven Gesell­schaften führt Gewaltlosigkeit zum Martyrium, nur in demokra­tischen Gesellschaften ist es möglich. Daraus ergibt sich die Frage, ob Wehrlosigkeit in jeder Gesellschaft überhaupt eine Option darstellen kann?

Wir haben auch in heutiger Zeit mit ganz unterschiedlichen Gesellschaften zu tun, um konkreter zu werden, wie sähe es mit Gewaltfreiheit im Falle von Syrien aus, fragt Fernando Enns. Assad und IS sind diktatorisch. Muss man da nicht mit Gewalt rein? Ist das nicht eine christliche Verantwortung, der man nachkommen sollte. Oder haben die Täufer, die Gandhis und Martin Luther Kings Recht, dass die Wehrlosigkeit helfen wird.

Jörgensen: Wenn wir Strukturen von innen überwinden wollen, gibt es gar keine Alternative zur Gewaltfreiheit. Wenn etwas Macht hat, dann doch die Liebe. Ihr sollten wir etwas zutrauen, was die Gewalt noch nie geschafft hat. Strübind: „Es macht mich nachdenklich, dass von kirchlicher Seite gesagt wird, wir haben doch eine Schutzverantwortung für die Menschen, die in Syrien so entsetzlich unter Gewaltherrschaft leiden.“ Damit wird nun begründet, dass gezielte Gewaltan­wendung unbe­dingt notwendig ist. Die UN Resolution von 2009 „Responsibility to protect“ hat einen Katalog von Bedingungen, die erfüllt sein müssen, bevor ein Mandat ausgesprochen wird. Aber, so Enns, mit dem Martyriumsaspekt ist ja keinem geholfen. Man kann es auch nicht zum Rezept machen. Wir alle, die wir Mitglied im Welt­kirchenrat sind, unterschreiben die Schutz­ver­antwortung. Wir ziehen aber auch andere Konsequenzen, auch andere Konsequenzen als die reformatorischen Täufer, die damals sagten: „Ja, dann werden wir eben hingeschlachtet.“

In der heutigen Situation gehört für uns zur Schutzverantwortung nicht unbedingt der militärische Einsatz. Die Bundes­regierung hat in Libyen sich für ein militärisches Eingreifen entschieden und wie sieht Libyen heute aus. Das Scheitern ist deutlich. Menschen zu schützen kann auf vielfältigen Wegen geschehen. Z.B., sie aus der Gefahrensituation herausbringen oder Flüchtlinge aufnehmen.

Es bleibt die Frage, kann das, was wir so gedacht haben, überhaupt funktionieren. Müssen wir nicht doch zu Gewalt greifen, weil das andere keine Wirkung hat. Die Diskussion um die Prügelstrafe bei Kindern hat schon gezeigt, dass Erziehung ohne Gewalt funktioniert, sogar sehr gut. Es geht dabei viel um Lockmittel, wir müssen hier einen Anreiz zum Frieden deutlich vermitteln. Die Überwindung der Apartheid war sicherlich keine militärische. Da kann man noch eine Menge ausprobieren. Mandela hat nach 27 Jahren im Gefängnis keine Machtmittel eingesetzt, sondern die Chance zur Gewalt­unter­brechung ergriffen. Dass es heute in Südafrika noch immer so viel Gewalt gibt, liegt an der Tatsache, dass Gewalterlebnisse sehr tief im Menschen verankert sind. Und dann gibt es so Freaks, wie die Täufer, die sich gegen die Gewalt stellen, sogar mit erheblichen Folgen für das eigene Leben.

In allen Religionen gibt es Vertreter, die sich für die Gewaltfreiheit oder für das Gegenteil ausge­sprochen haben, um die Position der eigenen Religion zu wahren. Dies war im Wintersemester 2014/2015 Thema einer Ringvorlesung, zu der sich Vertreter aller Weltreligionen  geäußert haben.  Eine Betrachtung der unterschiedlichen Positionen kann man im Band 9 „Religionen im Dialog“ – Gewaltfreiheit und Gewalt in den Religionen – nachlesen. Das Buch wurde von Fernando Enns und Wolfram Weiße herausgegeben. Prof. Dr. Wolfram Weiße ist an der Universität Hamburg an der Akademie der Weltreligionen tätig. Zum Auftakt der Ringvorlesung  fand eine Diskussion statt, in der Politiker gefragt wurden, ob sie sich vorstellen könnten, dass Religionen einen Beitrag zum Frieden leisten können oder eher Polarisierung betreiben. Übereinstimmend äußerten sich die Politiker,  dass die Religionen sogar eine Verantwortung zum Frieden in der Welt haben. Und da sind wir wieder bei den Mennoniten. Wenn wir zurückblicken, so abseits der großen Weltreligionen, sind es immer Einzelne oder kleine Gruppen gewesen, die mutig genug waren, zu sagen, Gewalt ist kein Mittel, gleichgültig, ob die Staatsform demokratisch ist oder nicht. Es ist der Glaube sowie der Rückhalt in einer Religion, der den Unterschied in die Waagschale werfen kann. Sie haben damals schon ihre Hoffnung in die Öffent­lichkeit getragen und damit die Öffentlichkeit berühren können. Das zeigt die schöne Seite von Religionen. Aber das macht doch auch ganz schön nervös: ist es nicht im Augenblick die Religion, die so großes Leid, so viel Gewalt verursacht? Was macht eine Religion zum Aggressor –natürlich wie beim Islamischen Staat– für ein höheres Ziel? IS pervertiert durch Oberflächlichkeit den Islam als eine Entschuldigung um Gräueltaten begehen zu können. Nun darf man nicht nur den Islam nennen, selbst der so friedfertige Buddhismus hat diese Schattenseite. Ebenso hat das Christentum seine Gewalt­momente wie auch der Hinduismus. Es ist die Frage der persönlichen Tiefe und wofür Religion alles in Anspruch genommen wird. Ob Religion zu Gewalt neigt, das hat auch immer viel mit der Zukunfts­vision der einzelnen Religion in ihrer Zeit zu tun. Sie haben stark ideologisierte Endzeit­vorstellungen, ein apokalyptisches Weltbild. Alle Religionen, die heute diese Gewaltbereitschaft demonstrieren, haben sich von bestimmten Zukunftshoffnungen  verabschiedet.

Die Geschehnisse in Köln, was da den Frauen angetan wurde, heißt ja nicht, dass sie gewaltlos alles über sich ergehen lassen sollen. Rechtserhaltende Gewalt kann auch Steuerung bedeuten, gerechte Polizeiführung („just policing“)  steht hierfür im Vordergrund. Die Blauhelme in verschiedenen Regionen sind ein Versuch. Aber der Missbrauch, der in diesen Bataillonen vorkommt, ist auch kritisch zu sehen. Mit anderen Worten: Die militärisch Ausgebildeten kommen an die polizeilich Geschulten nicht heran. Es braucht wohl noch eine völlig andere Ausbildung und eine völlig andere Organisation. Solange man innermilitärisch versucht, dem Militär Polizeifunktionen zuzuschieben, bleibt man in der militärischen Logik gefangen. Man ist inzwischen dabei, ein Konzept zu ent­wickeln, so wenig Gewalt wie möglich auszuüben. Da übt man nicht, wie bringe ich den anderen so schnell wie möglich um, sondern wie kann ich kultursensibel mit anderen Menschen umgehen.

Die Dynamik des letzten Jahres ist so von Gewalt geprägt, in der Politik und in der Gesellschaft wird viel über Gewalt gesprochen. Es wird überhaupt nicht mehr über das Einüben von Frieden gesprochen, dass Frieden lockt!




mennoFORUM 12: Reformation und Gewaltfreiheit

- starke Polizei gerne, denn das Militär löst keine Konflikte, endgültig -


Die Täufergeschichte ist gekennzeichnet durch viel Gewalt und aus dieser Erfahrung heraus ist sie auch von vielen Versuchen der Gewaltlosigkeit geprägt. „Sie befinden sich heute in einer menno­nitischen Kirche und damit in einem Kontext, der die Reformation aus einer anderen Perspektive sieht, als es sonst mehrheitlich geschieht“, so Prof. Dr. Fernando Enns, Leiter der „Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen“ der Universität Hamburg. Prof. Dr. Andrea Strübind als ausgewiesene Täuferforscherin:

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